Ischiasschmerzen nachts – Ursachen für nächtliche Schmerzen

Markus Schwietzer

15. Juni 2026

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Ischiasschmerzen nachts? Erfahren Sie mehr über die Ursachen nächtlicher Schmerzen und entdecken Sie praktische Tipps zur Linderung und Selbsthilfe.

ischiasschmerzen nachts

Ischiasschmerzen nachts treffen dich am schwächsten Punkt: Der Schmerz baut sich zwischen 2 und 4 Uhr auf einen Höhepunkt auf, während der Körper schlafen soll. Drei Mechanismen wirken zusammen – ein sinkender Cortisolspiegel, ein dauerhaft verspannter Piriformis und eine Schlafposition, die den Ischiasnerv stundenlang unter Druck setzt.

Gezieltes Gegensteuern ist möglich: mit der richtigen Schlafposition, einer geeigneten Schlafunterlage und einem festen Abend-Dehnritual, das den Piriformis vor dem Einschlafen entlastet. Die folgenden Abschnitte führen dich direkt zu den Maßnahmen, die nachts den Unterschied machen.

Person mit nächtlichen Ischiasschmerzen liegt im Bett

Warum werden Ischiasschmerzen nachts schlimmer?

Dein Cortisolspiegel fällt nach Mitternacht auf sein Tages-Tief – der körpereigene Entzündungshemmer steht nicht mehr zur Verfügung. Gleichzeitig drücken verspannte Gesäß- und Rückenmuskeln ohne Gegenbewegung stundenlang auf den Ischiasnerv. Das Gehirn leitet den Schmerzreiz ohne Tagesablenkung ungefiltert weiter – deshalb trifft der Schmerz zwischen 3 und 4 Uhr am härtesten.

Der Cortisolabfall öffnet Entzündungen die Tür

Cortisol dämpft Entzündungsprozesse im gesamten Körper aktiv. Tagsüber hält der Stoff den Entzündungsgrad rund um den Ischiasnerv in erträglichen Grenzen. Nach Mitternacht sinkt die Produktion auf ihr Tages-Minimum – das gereizte Gewebe an der Nervenwurzel reagiert sofort darauf, die Schmerzschwelle sinkt und der Nerv reagiert auf Reize stärker als am Tag.

Dazu kommt die reduzierte Durchblutung im Liegen. Jede Bewegung am Tag pumpt Entzündungsstoffe aus dem Gewebe ab und transportiert sie in den Blutkreislauf. Im Schlaf fehlt dieser aktive Abtransport komplett. Das gereizte Gewebe rund um die Nervenwurzel schwillt leicht an – gerade genug, um den nächtlichen Schmerz erheblich zu verstärken.

Antiinflammatorische Ernährung kann diesen Mechanismus abmildern. Omega-3-Fettsäuren aus Lachs, Leinsamen und Walnüssen senken die Entzündungsaktivität im Körper nachweislich. Wer abends gezielt auf entzündungshemmende Nahrungsmittel setzt und Zucker sowie hochverarbeitete Lebensmittel meidet, gibt dem nächtlichen Cortisolabfall weniger Spielraum.

Verspannte Muskeln drücken ohne Pause auf den Nerv

Der Piriformis-Muskel liegt tief im Gesäß und verläuft direkt neben dem Ischiasnerv. Er baut über den Tag Spannung auf – besonders durch langes Sitzen am Schreibtisch. Bewegung lockert ihn tagsüber regelmäßig; im Liegen bleibt die Spannung stehen und drückt kontinuierlich auf den Nerv, ohne Unterbrechung.

Wer tagsüber lange sitzt und dabei Schmerzen beim Sitzen entwickelt, trägt die aufgebaute Piriformis-Verspannung direkt in die Nacht. Die Hüftbeuger verkürzen sich bei stundenlangem Sitzen zusätzlich und ziehen die Lendenwirbelsäule in ein Hohlkreuz. Beide Muskeln zusammen erhöhen den Druck auf die Nervenwurzel nachts erheblich und verlängern die Schmerzdauer.

Hinzu kommt die fehlende Tagesablenkung. Gespräche, Arbeit und körperliche Aktivität bremsen die Schmerzweiterleitung im Gehirn tagsüber aktiv. In der Stille der Nacht läuft der Schmerzkanal voll durch – viele Betroffene erleben denselben Reiz nachts als subjektiv deutlich intensiver und lassen sich stärker davon aufwecken als tagsüber.

Was du tagsüber tun kannst, um nachts besser zu schlafen

Kurze Bewegungspausen alle dreißig Minuten verhindern den Aufbau von Piriformis-Verspannungen über den Tag. Stehe auf, gehe zehn Schritte und strecke dich kurz – das reicht aus, um die Muskulatur regelmäßig zu entlasten. Büroarbeiter, die das konsequent einhalten, berichten häufig von ruhigeren Nächten ohne die typischen Schmerzspitzen nach Mitternacht.

Vermeide abends Sport mit hoher Stoßbelastung wie Laufen oder Sprünge. Das reizt eine bereits empfindliche Nervenwurzel zusätzlich und kann den nächtlichen Schmerzschub verstärken. Sanftes Dehnen und kurze Spaziergänge am Abend sind dagegen hilfreich – sie lockern die Muskulatur ohne den Nerv zu belasten.

Wärme vor dem Schlafen erhöht die Muskeltemperatur und verbessert die Durchblutung im Gewebe. Ein Kirschkernkissen auf dem Gesäß für zwanzig Minuten reicht als Vorbereitung vollständig aus. Die gelockerte Muskulatur drückt weniger auf den Ischiasnerv und gibt dir eine bessere Ausgangslage für die Nacht.

Welche Schlafposition entlastet den Ischiasnerv am besten?

Die Rückenlage mit einem Kissen unter den Knien verteilt das Körpergewicht gleichmäßig und schließt das Hohlkreuz aus. Seitenschläfer halten das Becken mit einem festen Kissen zwischen den Knien gerade und schlafen auf der schmerzfreien Seite. Bei akutem Schmerzschub bringt die Stufenlagerung innerhalb weniger Minuten direkte Entlastung für Nervenwurzeln und Rückenmuskulatur.

Rückenlage – das Kissen unter den Knien macht den Unterschied

In Rückenlage verteilt sich das Körpergewicht gleichmäßig entlang der gesamten Wirbelsäule. Ein festes Kissen unter den Knien beugt die Hüftgelenke leicht und legt die Lendenwirbelsäule flach auf die Matratze. Das Hohlkreuz verschwindet, der Druck auf die Nervenwurzeln sinkt spürbar und die gesamte Rückenmuskulatur kann vollständig loslassen.

Die Bandscheiben regenerieren sich in dieser Position besonders effektiv. Sie saugen Gewebsflüssigkeit auf und stabilisieren den Nervenkanal. Lege das Kissen so, dass beide Knie leicht gebeugt bleiben und deine Unterschenkel entspannt aufliegen. Die Spannung im Gesäß und im Piriformis lässt nach wenigen Minuten merklich nach.

Das Kopfkissen darf in Rückenlage nur flach sein – ein zu hohes Kissen kippt das Kinn zur Brust und zieht die gesamte Wirbelsäule aus der Neutralstellung. Das optimale Kopfkissen für Rückenschläfer hebt den Kopf kaum an, hält aber die natürliche Kurve der Halswirbelsäule stabil und bewahrt die Ausrichtung bis in den unteren Rücken.

Seitenlage – das Kissen zwischen den Knien hält das Becken gerade

Seitenschläfer begehen einen häufigen Fehler: Sie ziehen die Knie zur Brust. Diese fetale Haltung dreht das Becken, verkürzt den Piriformis und drückt ihn direkt gegen den Ischiasnerv. Ein festes Kissen zwischen den Knien – vom Kniegelenk bis zum Knöchel reichend – hält das Becken in einer geraden Linie und nimmt diesen Druck vollständig weg.

Schlafe auf der Seite, die keine Schmerzen verursacht – das verhindert, dass das Körpergewicht zusätzlich auf das gereizte Gewebe drückt. Der Anpassungsprozess an diese neue Position dauert ein bis zwei Wochen. Danach berichten viele Betroffene von deutlich ruhigeren Nächten ohne die typischen Schmerzspitzen nach Mitternacht.

Ein fest geklemmtes Kissen hinter dem Rücken verhindert, dass du im Schlaf auf die schmerzhafte Seite rollst. Klemme es eng genug, damit es beim Umdrehen spürbaren Widerstand gibt. Diese einfache Maßnahme hält dich unbewusst in der richtigen Lage und reduziert die Zahl der nächtlichen Aufwachmomente erheblich.

Stufenlagerung – Soforthilfe beim nächtlichen Aufwachen

Die Stufenlagerung entlastet die Nervenwurzeln sofort: Lege dich auf den Rücken und stelle beide Unterschenkel im 90-Grad-Winkel auf ein festes Kissen oder einen stabilen Kasten. Knie und Hüfte bilden dabei einen rechten Winkel. Die gesamte Rückenmuskulatur kann vollständig loslassen und der Druck auf die Nervenwurzeln sinkt unmittelbar und messbar.

Nutze diese Position als Soforthilfe nach dem nächtlichen Aufwachen für zehn bis fünfzehn Minuten. Schlafe nicht dauerhaft in dieser Haltung ein – nach zwanzig Minuten wechselst du zurück in Rücken- oder Seitenlage mit Kissen. Zwei bis drei Zyklen pro Nacht reichen aus, um die Nervenwurzel ausreichend zu entlasten.

Stelle dir die Stufenlagerung schon vor dem Schlafengehen bereit: Ein Polsterblock oder stabiler Karton am Bettrand erspart das hektische Suchen um 3 Uhr nachts. Du erreichst die Entlastung sofort, ohne lange wach zu liegen und den Schmerz durch Anspannung weiter zu verstärken.

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Was haben Matratze und Kissen mit deinen Nachtschmerzen zu tun?

Eine durchgelegene Matratze lässt das Becken absinken, dreht die Lendenwirbelsäule und erhöht den Druck auf die Nervenwurzeln die gesamte Nacht. Das falsch gewählte Kissen überträgt Zugspannung vom Kopf bis in den unteren Rücken. Beide Faktoren zusammen können jeden Fortschritt durch Übungen und optimale Schlafposition zunichtemachen.

Welche Matratze hilft bei nächtlichen Ischiasschmerzen am besten?

Mittelharte Matratzen zeigen bei Rücken- und Nervenschmerzen die besten Praxisergebnisse. Sie stützen die Körperkonturen, ohne das Becken absinken zu lassen. Eine zu weiche Matratze lässt die Hüfte zu tief einsinken – das dreht die Lendenwirbelsäule und reizt die Nervenwurzeln jede Nacht erneut aufs Neue.

Überprüfe deine Matratze auf diese konkreten Zeichen: Sie ist älter als sieben Jahre, du spürst ein Durchhängen unter dem Becken oder du wachst regelmäßig mit steifem Rücken auf. Trifft eines davon zu, ist ein Wechsel sinnvoll. Lass dich im Fachhandel nach Körpergewicht und bevorzugter Schlafposition beraten und teste verschiedene Härtegrade immer im Liegen, niemals nur im Stehen.

Kaltschaum und Latex passen sich den Körperkonturen an und verteilen den Druck gleichmäßig. Federkernmatratzen eignen sich für Seitenschläfer mit breiten Hüften oft weniger, weil sie in der Hüftzone nicht ausreichend nachgeben. Das Körpergewicht bestimmt den idealen Härtegrad: Unter 70 kg empfiehlt sich H2, von 70 bis 100 kg H3, darüber H4.

Das richtige Kissen für Seiten- und Rückenschläfer mit Ischiasschmerzen

Rückenschläfer brauchen ein flaches Kissen, das den Kopf kaum anhebt und die Halswirbelsäule in der natürlichen Kurve hält. Seitenschläfer benötigen ein höheres Kissen, das genau die Schulterbreite ausgleicht und den Kopf in einer geraden Linie mit der Wirbelsäule hält. Ein Kissen, das den Kopf nach vorne kippt, erzeugt eine Zugspannung, die sich über den gesamten Rücken bis in den Ischiasnerv fortsetzt.

Ischiasschmerzen beim Liegen bessern sich mit gezielt platzierten Zusatzkissen oft bereits nach wenigen Nächten deutlich. Unter den Knien in Rückenlage verhindert ein Kissen das Hohlkreuz. Zwischen den Knien in Seitenlage hält es das Becken neutral und nimmt den Druck vom Piriformis vollständig weg.

Wechsel das Kopfkissen spätestens alle drei Jahre. Ältere Kissen verlieren ihre Stützkraft und passen sich der Fehlhaltung an, statt sie zu korrigieren. Ein einfacher Test: Falte das Kissen in der Mitte und lasse es los – federt es sofort zurück, ist es noch geeignet. Bleibt es gefaltet, ist der Wechsel überfällig.

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Welche Übungen helfen gegen Ischiasschmerzen in der Nacht?

Die Figure-4-Dehnung am Bettrand löst die Piriformis-Verspannung, die den Ischiasnerv nachts einengt. Die sanfte LWS-Rotation mobilisiert blockierte Wirbelgelenke im unteren Rücken. Beide Übungen dauern zusammen zehn Minuten täglich und wirken am stärksten als festes Abendritual direkt vor dem Einschlafen ausgeführt.

Person wendet Wärmepack auf unterem Rücken bei Ischiasschmerzen an

Figure-4: Die wichtigste Piriformis-Dehnung vor dem Schlafen

Setze dich aufrecht auf die Bettkante und stelle beide Füße flach auf den Boden. Lege den rechten Knöchel auf das linke Knie – das rechte Bein bildet dabei eine Vier. Beuge dich mit geradem Rücken langsam nach vorne, bis du eine tiefe Dehnung tief im rechten Gesäß spürst. Halte dreißig bis sechzig Sekunden und wechsle dann die Seite.

Die Intensivvariante funktioniert im Liegen: Lege dich auf den Rücken und stelle beide Beine an. Lege den rechten Knöchel auf den linken Oberschenkel. Umfasse den linken Oberschenkel mit beiden Händen und ziehe ihn sanft zur Brust – die Dehnung trifft den Piriformis genau dort, wo er nachts auf den Ischiasnerv drückt.

Führe die Figure-4-Dehnung täglich durch – nicht nur bei akuten Beschwerden. Der Piriformis braucht regelmäßige Reize, um die Grundspannung dauerhaft zu senken. Drei Wochen konsequenter Praxis zeigen bei den meisten Betroffenen eine messbare Reduktion der nächtlichen Schmerzintensität und weniger Aufwachmomente.

Sanfte LWS-Rotation für mehr Beweglichkeit im unteren Rücken

Lege dich auf den Rücken und stelle beide Beine an, Füße flach auf der Matratze. Lasse beide Knie langsam und kontrolliert zur rechten Seite sinken, dein Oberkörper bleibt dabei flach auf der Matratze. Halte die Position zwanzig Sekunden, kehre zur Mitte zurück und wechsle dann auf die linke Seite. Diese Bewegung mobilisiert die Wirbelgelenke und nimmt die Spannung aus dem gesamten unteren Rücken.

Strecke für mehr Intensität einen Arm zur Seite aus und drehe den Kopf in die entgegengesetzte Richtung der Knie. Das erhöht die Rotationsspannung auf die Lendenwirbelsäule und löst tiefer sitzende Blockaden in den Facettengelenken. Stoppe sofort, sobald ein stechender Nervenschmerz ins Bein einschießt – das Signal fordert dich auf, die Intensität zu reduzieren.

Die LWS-Rotation wirkt am stärksten morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem Schlafen. Die Wirbelgelenke profitieren von regelmäßigen kurzen Bewegungseinheiten mehr als von einmaligen langen Dehneinheiten. Fünf Minuten täglich übertreffen eine dreißigminütige Einheit einmal pro Woche in ihrer Wirkung auf die nächtlichen Beschwerden deutlich.

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Wärme als Vorbereitung auf die Nacht

Zwanzig Minuten Wärme auf Gesäß oder unterem Rücken direkt vor dem Schlafen öffnen das Gewebe für die anschließende Dehnung. Ein Kirschkernkissen oder ein Wärmekissen reicht dafür vollständig aus. Die Durchblutung steigt, Muskeln lockern sich und die Dehnung erreicht tiefere Schichten als ohne diese Vorwärmung.

Vermeide Wärme bei akuter Entzündung – erkennbar an Schwellung, Rötung oder Fieber. Kühlung mit einer Kühlkompresse wirkt in aktiven Entzündungsphasen deutlich besser. Achte auf die Signale deines Körpers: Lockert sich die Muskulatur bei Wärme spürbar, ist das Gewebe bereit für die Dehnung.

Die Kombination aus Wärme, Figure-4-Dehnung und LWS-Rotation dauert zusammen fünfzehn bis zwanzig Minuten. Mache daraus ein festes Ritual – zur selben Uhrzeit, in derselben Reihenfolge. Das Gehirn verknüpft die Routine mit dem Einschlafen und der Körper schaltet schneller in den Entspannungsmodus, sobald die Routine beginnt.

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Wann musst du bei nächtlichen Ischiasschmerzen zum Arzt?

Lähmungserscheinungen im Bein oder Fuß, Taubheit im Genitalbereich und Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle sind Notfall-Zeichen – fahre sofort in die Notaufnahme. Starke Schmerzen nach einem Unfall und Fieber zusammen mit Rückenschmerzen erfordern eine ärztliche Untersuchung noch am selben Tag.

Red Flags – diese Zeichen erfordern sofortigen Arztbesuch

Blasen- und Mastdarmstörungen bei gleichzeitigen Rückenschmerzen sind ein medizinischer Notfall. Das Cauda-equina-Syndrom – eine Kompression des untersten Rückenmarksabschnitts – erfordert eine Operation innerhalb weniger Stunden. Zögere nicht und warte nicht bis zum nächsten Morgen, auch wenn der Schmerz zwischenzeitlich nachlässt.

Weitere Alarmsignale sind plötzliche Lähmungen im Bein oder Fuß, rasch zunehmende Taubheit, Fußheberschwäche und Fieber zusammen mit Rückenschmerzen. Starke Beschwerden nach einem Sturz oder Unfall erfordern ebenfalls sofortige Abklärung. Trifft eines dieser Zeichen zu, ist die Notaufnahme die richtige Adresse – nicht die Hausarzt-Sprechstunde in drei Tagen.

Dokumentiere vor der Fahrt kurz deine Symptome: Wann hat der Schmerz begonnen, welche Seite ist betroffen, gibt es Kribbeln oder Taubheit und seit wann genau. Diese Angaben helfen dem Notarzt, schnell die richtigen Untersuchungsschritte einzuleiten und wertvolle Zeit zu sparen.

Normaler Verlauf – wann Abwarten vertretbar ist

Ischiasschmerzen ohne neurologische Ausfälle bessern sich in den meisten Fällen innerhalb von sechs bis zwölf Wochen mit konservativer Behandlung. Ein Termin beim Hausarzt oder Orthopäden ist sinnvoll, wenn die Beschwerden nach zwei bis vier Wochen nicht nachlassen oder sich verschlechtern. Akute Schmerzen, die sich durch Lageveränderung beeinflussen lassen, sprechen für eine muskuläre oder mechanische Ursache.

Führe vor dem Termin ein kurzes Schmerztagebuch: Wann treten die Schmerzen auf, wie stark sind sie auf einer Skala von eins bis zehn und strahlen sie ins Bein aus? Diese Informationen halbieren die Diagnosezeit und helfen dem Arzt, eine gezielte Therapie einzuleiten. Das Tagebuch deckt zudem Muster auf, die du selbst noch nicht bewusst wahrgenommen hast.

Mit den richtigen Schlafpositionen, täglichen Dehnübungen und gegebenenfalls kurzfristiger Schmerzmedikation nach ärztlicher Absprache schlafen die meisten Betroffenen bereits in der ersten oder zweiten Woche deutlich besser. Ziel ist zuerst eine Reduktion auf ein erträgliches Maß – kein sofortiges Verschwinden aller Beschwerden.

Was der Arzt untersucht und was du erwarten kannst

Der Arzt prüft zunächst Muskelkraft, Reflexe und Sensibilität im betroffenen Bein. Der Lasègue-Test – Anheben des gestreckten Beins in Rückenlage – provoziert die Nervenwurzelreizung und bestätigt die Diagnose bei positivem Ergebnis. Bildgebung kommt erst dann zum Einsatz, wenn die körperliche Untersuchung keine eindeutige Ursache zeigt oder neurologische Ausfälle vorliegen.

Ein MRT zeigt Bandscheiben, Nervenwurzeln und Weichteile in hoher Auflösung und gilt als Goldstandard bei Verdacht auf Nervenwurzelkompression. Nicht jeder Befund ist der direkte Auslöser deiner Schmerzen – Zufallsbefunde wie kleine Bandscheibenvorwölbungen ohne klinische Bedeutung kommen häufig vor. Der Arzt bewertet das Bild immer zusammen mit deinen tatsächlichen Symptomen, nie isoliert.

Physiotherapie ist bei Ischiasbeschwerden ohne neurologische Ausfälle die erste Behandlungswahl. Der Physiotherapeut erarbeitet mit dir individuelle Übungen, die auf dein Beschwerdebild abgestimmt sind und das Abend-Dehnritual sinnvoll ergänzen. Kortison-Injektionen kommen bei starken Schmerzen als überbrückende Maßnahme zum Einsatz und wirken entzündungshemmend direkt an der Nervenwurzel.

Arzt im Gespräch mit Patient bei nächtlichen Ischiasschmerzen

FAQ

Warum werden Ischiasschmerzen nachts schlimmer?

Der Cortisolspiegel fällt nach Mitternacht auf sein Tages-Tief und dämpft Entzündungen nicht mehr ab. Gleichzeitig drücken verspannte Muskeln ohne Bewegung auf den Ischiasnerv, und das Gehirn leitet den Schmerzreiz ohne Tagesablenkung ungefiltert weiter. Der Schmerzschub ist zwischen 3 und 4 Uhr morgens am stärksten ausgeprägt.

Welche Schlafposition lindert Ischiasschmerzen am besten?

Die Rückenlage mit einem festen Kissen unter den Knien entlastet die Nervenwurzeln am wirkungsvollsten. Seitenschläfer legen ein festes Kissen zwischen die Knie, schlafen auf der schmerzfreien Seite und vermeiden die fetale Haltung. Bei akutem Schmerzschub hilft die Stufenlagerung – Unterschenkel im 90-Grad-Winkel auf einem Kissen – sofort und messbar.

Kann eine falsche Matratze Ischiasschmerzen verursachen?

Eine durchgelegene oder zu weiche Matratze lässt das Becken absinken und dreht die Lendenwirbelsäule. Diese Fehlhaltung reizt die Nervenwurzeln die gesamte Nacht. Eine mittelharte Matratze, die die Körperkonturen stützt ohne das Becken absinken zu lassen, reduziert die nächtlichen Beschwerden deutlich.

Welche Übungen helfen am besten gegen nächtliche Ischiasschmerzen?

Die Figure-4-Dehnung entlastet den Piriformis-Muskel, der bei vielen Betroffenen direkt auf den Ischiasnerv drückt. Die sanfte LWS-Rotation löst Blockaden in den Wirbelgelenken des unteren Rückens. Beide Übungen täglich abends vor dem Schlafen – jeweils fünf Minuten – reduzieren nächtliche Schmerzspitzen messbar.

Wann muss ich wegen nächtlicher Ischiasschmerzen sofort zum Arzt?

Fahre sofort in die Notaufnahme bei Blasen- oder Mastdarmstörungen, plötzlicher Lähmung im Bein oder Fuß und Fußheberschwäche. Diese Zeichen können auf ein Cauda-equina-Syndrom hinweisen und erfordern eine sofortige Operation. Fieber zusammen mit Rückenschmerzen und Beschwerden nach einem Unfall erfordern ebenfalls eine ärztliche Untersuchung am selben Tag.

Wie lange dauern nächtliche Ischiasschmerzen an?

Ischiasschmerzen ohne neurologische Ausfälle bessern sich bei konsequenter Behandlung innerhalb von sechs bis zwölf Wochen. Mit den richtigen Schlafpositionen und täglichen Dehnübungen reduzieren viele Betroffene die nächtlichen Schmerzspitzen bereits in der ersten oder zweiten Woche merklich. Halten die Beschwerden nach vier Wochen unvermindert an, empfiehlt sich ein Arzttermin zur Abklärung.